Die Zeilen

eines

Freundes

Aarau, 13. September 2007

Liebe Yvonne

Vor einigen Tagen erhielt ich die Nachricht über den Fernseher, dass Nicky
etwas Gravierendes zugestossen sei und dass es kritisch um ihn stehe.
Mir stockt noch jetzt der Atem, wenn ich mir die Situation vor Augen führe.

Ich wollte Dir sagen, wie wichtig Nicky für meine Integration war und wie sehr
ich ihn als Kollegen geschätzt habe. Ich werde nie vergessen, wie er schützend
seine Hand über mich hielt, wenn es ausländerfeindliche Parolen von anderen
Kindern hagelte. Er war es, der mich überall, von Anfang an, mit einbezog
und für das bin ich ihm sehr dankbar. Seine spezielle Art: Aussen hart,
innen weich, zeichnet ihn aus und lässt Menschen, die ihn besser kennen,
an seiner Gutherzigkeit teilhaben. Obwohl wir uns auseinander gelebt haben,
freute ich mich immer besonders, wenn wir uns über den Weg liefen.

Jene, die Nicky nicht gut kennen, neigen vielleicht dazu, ihn als selbstgerecht
zu empfinden. Doch wenn man es wie ich besser weiss, dann versteht man, dass
er mit reinem Gewissen handelt. Ich weiss, dass Nicky eine äusserst starke
Persönlichkeit besitzt und er niemals aufgibt. Nicht zu vergessen, welch grosse
Lebensfreude er ausstrahlt, vor allem, wenn er herzhaft lacht. Bei Nicky
weiss man woran man ist, denn selten habe ich eine so gradlinige Person wie ihn
kennengelernt. Wer ihn als Freund gewinnen kann, der hat einen Freund
fürs Leben gefunden. Zumal Nicky nie nach Äusserlichkeiten und Herkunft richtet. Seine Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist enorm. Sein starkes Selbstbewusstsein lässt mich nie daran zweifeln, dass Nicky weiter kämpft, und ich wünsche
ihm das Beste auf Erden. Ich hoffe für ihn!

Falls ich irgendwie behilflich sein kann, helfe ich gerne. Ich stehe Dir in dieser
schweren Zeit bei. Ich hoffe Nicky bald besuchen zu können. Die Hoffnung bleibt.

Liebe Grüsse Richard


Richard studiert heute Medizin an der UNI Zürich.